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| Bulgarische
Sprache
Die bulgarische Sprache (Bulgarisch) gehört zur südslawischen
Gruppe des slawischen Zweiges der indogermanischen Sprachen.
Sie wird von ca. 9 Millionen Menschen gesprochen: vor allem
in Bulgarien (ca. 7,3 Millionen), aber auch in anderen Staaten
Osteuropas, in Griechenland, Rumänien, Mazedonien, Weißrussland
und in der Türkei. Neben den Bulgaren spricht auch die
Volksgruppe der Pomaken Bulgarisch.
Es gibt mehrere Dialekte, die in zahlreichen Mundarten gegliedert
sind. Die am nächsten mit dem Bulgarischen verwandte
Sprache ist das Mazedonische; die östlichen Dialekte
des Mazedonischen und die westlichen Dialekte des Bulgarischen
bilden ein sprachliches Kontinuum. Manche Bulgaren ordnen
aus diesem Grund das Mazedonische als Dialekt des Bulgarischen
ein.
Das Bulgarische sollte nicht mit dem Protobulgarischen verwechselt
werden, welches eine Turksprache war. Weitere Informationen
hierzu finden sich in den Artikeln über die bulgarische
Sprachfamilie, die Bulgaren, die Wolgabulgaren und die bulgarische
Geschichte.
Schrift
Das Bulgarische verwendet die kyrillische Schrift, wobei
sich einige kleine Unterschiede zum Russischen ergeben. Der
wichtigste Unterschied ist der, dass das Zeichen ? kein Härtezeichen,
sondern einen dem Bulgarischen eigenen Vokal darstellt. Sein
Lautwert entspricht ungefähr einem stummen e, z. B.
in ich hatte. Der Laut ist dunkler als das russische ?, welches
in der bulgarischen Schrift nicht vorkommt. Auch das Zeichen
? existiert im Bulgarischen nicht. In alten Texten können
die Buchstaben (Jat) sowie Großes Jus, nicht
zu verwechseln mit dem Buchstaben Kleines Jus:) auftauchen.
Im heutigen Bulgarisch werden diese alten Zeichen jedoch
nicht mehr verwendet.
Für die Kleinbuchstaben werden häufig die so genannten
kursiven Formen auch in der aufrechten Schrift verwendet.
Da sich diese von den (russischen) Standardformen teilweise
stark unterscheiden, die auch in den meisten Lexika erscheinen,
entstehen für Personen ohne Kenntnisse slawischer Sprachen
(Touristen etc.) oft Probleme beim Entziffern etwa von Straßenschildern.
Eine tabellarische Übersicht über die Unterschiede
zwischen den kursiven und nichtkursiven Formen findet man
im Artikel über die kyrillische Schrift.
Grammatik
Die bulgarische Grammatik unterscheidet sich in vielen Punkten
von anderen slawischen Sprachen. Nur im Bulgarischen und
Mazedonischen gibt es Artikel; diese werden an das Nomen
(bzw. das erste Wort seiner Nominalgruppe) angehängt.
Im Bulgarischen gibt es ferner nur sehr schwach ausgeprägte
Kasus; außer bei Pronomina sowie bei den Artikelformen
der Maskulina treten sie nicht in Erscheinung. (Treten sie
doch einmal in Erscheinung, so unterscheidet man Nominativ,
Dativ und Akkusativ; der Genitiv wird durch Präposition
??+Dativ ersetzt.) Diese Eigenarten sind entweder thrakischer
Herkunft oder das Ergebnis einer Sprachreform. Auch benachbarte
Sprachen (z. B. Albanisch, Rumänisch, dies sind keine
slawischen Sprachen) weisen z. T. die gleichen Eigenheiten
auf, weshalb man diese Sprachen auch unter dem Begriff Balkansprachen
zusammenfasst, obwohl sie nicht nahe miteinander verwandt
sind.
Das Bulgarische verfügt über eine sehr ausgeprägte
Formenvielfalt bei den Verben. Man unterscheidet neun verschiedene
Zeitformen: Präsens, zwei Futurformen (Futurum und Futurum
exactum), vier Vergangenheitsformen (Imperfekt, Aorist, Perfekt,
Plusquamperfekt), sowie zwei interessante "Mischformen" aus
Zukunft und Vergangenheit, nämlich das Futurum präteriti
sowie das recht ungebräuchliche Futurum exactum präteriti.
Mit den letzteren beiden Formen lässt sich ausdrücken,
dass man in der Vergangenheit davon ausgegangen ist, dass
etwas geschehen würde; eine Entsprechung im Deutschen
wäre ungefähr eine Konstruktion wie "Ich dachte,
dass er es erledigen würde" oder "Er wollte
es erledigen" (Futurum präteriti) bzw. "Ich
dachte, er würde es mittlerweile erledigt haben" oder "Er
wollte es schon bis gestern erledigt haben" (Futurum
exactum präteriti). Aufgrund der Tatsache, dass die
beschriebene Handlung möglicherweise doch nicht ausgeführt
wurde, nehmen diese eigentlich indikativischen Formen oft
auch die Funktion des Konjunktivs ein.
Als genera verbi (Verbmodi) existieren neben Indikativ,
Imperativ und Konditional (welches ungefähr die Funktion
des Konjunktivs im Deutschen übernimmt) auch den Konklusiv
(zeigt an, dass man einen Sachverhalt aus einem anderen logisch
erschließt), den Renarrativ (zeigt an, dass der Sprecher
einen Sachverhalt nicht selbst erlebt hat, sondern dass er
Schilderung eines Dritten weitergibt, vergleichbar der indirekten
Rede im Deutschen) sowie den dubitativen Renarrativ (wie
Renarrativ; allerdings zweifelt der Sprecher den Wahrheitsgehalt
an). Interessanterweise existiert jedoch keine separate Infinitivform;
in Wörterbüchern etc. verwendet man stattdessen
die erste Person Singular Präsens. Diese erste Person
Singular wird als Infinitiv verwendet. Interessanterweise
wird im Ungarischen die 3.Person Singular als Präsensform
verwendet.
Wie andere slawische Sprachen gebraucht auch das Bulgarische
den sogenannten Verbalaspekt in (fast?) allen Zeitformen,
wenn auch einige Aspekt-Tempus-Paare wohl nur selten vorkommen.
Ebenfalls typisch für slawische Sprachen ist die Vielfalt
an Partizipien: Partizip Präsens, Partizip des Imperfekts,
Partizip des Aorists, Passivpartizip Präsens, Passivpartizip
präteriti, Adverbialpartizip, sowie der nur selten anzutreffende
sog. "Restinfinitiv".
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